Bürokratie in Nepal

Wurden wir am Flughafen noch recht unkompliziert und schnell mit Einreisevisa versorgt (30 Tage, 50 US-Dollar), so gestaltete sich die Verlängerung doch um einiges umständlicher.

Der Teufel steckte dahingehend im Detail, dass es vom 29.10. bis einschließlich zum 29.11. eben 32 Tage sind, weswegen das bestehende Einreisevisum früher oder später verlängert werden muss. Früher ist besser, da nach Ablauf des Visums pro Tag 3 US-Dollar als Strafgebühr anfallen. Das sei hier deswegen so deutlich erwähnt, weil hier zuerst das Gerücht die Runde machte, wir könnten mal eben unser bestehendes Visum um zwei Tage für 2 bis 3 Dollar pro Tag verlängern. Dieser Irrglaube scheint auch sonst recht verbreitet zu sein, wie wir dann im Immigration Office bemerkten.

Die Realität sieht im Moment folgendermaßen aus: Eine Verlängerung eines bestehenden Visums muss für mindestens 15 Tage erfolgen und kostet mindestens den Gegenwert von 30 US-Dollar, zu zahlen vor Ort und in nepalesischen Rupien.

Na gut, dachten wir uns und füllten brav die Vordrucke aus, die miserabel kopiert und mindestens so einsteigerfreundlich wie eine deutsche Lohnsteuererklärung waren, und reihten uns in die Schlange vor dem Schalter ein. Nachdem eine gefühlte Ewigkeit vergangen war, kamen wir dran, legten unsere ausgefüllten Blätter, je ein Passphoto und unsere Personalausweise auf den Tresen. Der Mann hinter dem Tresen nahm lediglich zur Kenntnis, dass wir die Blätter nicht leer abgegeben hatten, kritzelte etwas unten in ein freies Feld und heftete unsere Photos mit je zwei Klammern ins rechte obere Eck der Formulare. Daraufhin erklärte er uns in schwer verständlichem Englisch, dass wir jetzt sofort für beide Visa 5400 Rupien zahlen könnten und unsere Reisepässe sofort wieder mitnehmen könnten, oder aber um drei Uhr wiederkommen, dann 4320 Rupien zahlen und schließlich unsere Reisepässe wiederhaben könnten. Bitte was???

Mehr als 1000 Rupien für zwei Aufkleber und dafür, dass die die Damen und Herren Beamten einfach nur ihre Arbeit tun? Zum Glück hatten wir einen einheimischen Journalisten dabei, der zudem früher mal in genau dieser Behörde tätig gewesen war. Dem ist sofort der Kragen geplatzt, was er auch lautstark zum Ausdruck gebracht hat und plötzlich nahmen die Dinge einen ganz anderen Lauf. Wir kamen zum Zahlschalter, hinterließen dort 4300 Rupien und unsere Reisepässe und erhielten dafür nur zwei rosa Zettel mit einer Zahlungsbestätigung.

Also standen wir nun mit besagten rosa Zetteln herum und harrten der Dinge, die da kommen würden, während unser nepalischer Freund wutentbrannt außer Sichtweite entschwand. Wenig später kehrte er zurück und verschwand gleich wieder in einem Nebenzimmer des Wartesaals. Irgendwann wurde ich dann des Wartens überdrüssig und folgte ihm in besagtes Zimmer, das von einer Plakette neben dem Türrahmen als das Büro des Under Secretary ausgewiesen wurde. Kurz darauf holte ich noch unsere weiblichen Begleiterinnen zum Ort des Geschehens, an dem unser mittlerweile Gift und Galle spuckender Freund etwas von „This is not fair“, „I am a journalist“ und „I’ll be back with a camera team“ und noch Vieles mehr zu den dort Anwesenden sagte. Die Angesprochenen waren zwei Herren mittleren Alters in Anzügen und die Personifikation des Amtsschimmels. Versteinerte Miene irgendwo zwischen Teilnahmslosigkeit und Überheblichkeit und eine Aura, die vor allem eines ausstrahlte: „Wir können hier noch viel länger als ihr sitzen UND wir kriegen es bezahlt“. Irgendwer sammelte zwischendrin unsere Zahlbelege ein und wir bekamen  ganz plötzlich unsere Reisepässe mit der Verlängerung unserer Visa ohne weiteres Aufhebens zurück.

Auf dem Weg nach draußen erfuhren wir dann noch von unserem nepalesichen Begleiter, dass sich solche Vorfälle in den letzten Jahren immer mehr gehäuft haben und unser Erlebnis leider nur die Regel bestätigt hatte.

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