Mit dem Motorrad nach Südfrankreich – Heimfahrt und Fazit

21.6.2015

Vom Verkehrslärm geweckt begab ich mich alsbald zum Frühstück, da ich mir für heute wieder eine lange Etappe vorgenommen hatte.

Eine sehr lange Etappe, um genau zu sein. Aufgrund der Tatsache, daß ich mich am südlichen Rand einer Regenzone befand, die sich deutlich über Nürnberg hinaus erstreckte, war Schönwetter ausgeschlossen und noch einen Hotelaufenthalt wollte ich meiner Urlaubskasse nicht antun. Also fasste ich während des Frühstücks den überaus optimistischen Entschluss, die knapp 600 km von Roe Volciano über die Alpen nach Nürnberg unter Auslassung aller Autobahnen innerhalb dieses einen Tages zurück zu legen.

Dieser Optimismus wurde durch das leckere Frühstücksbuffet gestärkt, während auf der Straße vor dem Hotel ein Motorradkorso nach dem anderen vorbei zog und so machte ich mich daran, die Strecke in Angriff zu nehmen.

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Die Strecke führte mich über Trento entlang des Fiume Adige nach Bozen (Bolzano). Von dort aus schraubte ich mich in den Südtiroler Alpen hinauf zum Penser Joch, wo ich die Aussicht und das zwischenzeitig gute Wetter für ein paar Photos nutzte.

Panorama vom Penser Joch
Panorama vom Penser Joch
Penser Joch
Penser Joch

Zwischen ein paar Bildern entwickelte sich noch ein kleiner Plausch mit zwei Kradlern, die gerade aus Freising angekommen waren und mir in sehr breitem Dialekt berichteten, dass dort Sauwetter herrschte. Das nahm ich zum Anlass, meine Regenkombi noch mal besonders gründlich zu verschließen.

Von dort aus ging es zügig weiter zum Brenner, wo ich dem Brenner Outlet noch einen kurzen Besuch abstattete und mir eine warme Jacke zum Drunterziehen besorgte. Beim Überqueren des letzten Passes war es doch empfindlich kalt geworden.

Weiter folgte ich der Landstraße unterhalb der Brennerautobahn, was mir einige interessante Ausblicke auf dieses imposante Bauwerk ermöglichte.

Als ich bei Innsbruck ankam, ging die Sonne gerade unter und ich hatte noch gute 330km bis Nürnberg vor mir. An sich kein großes Problem, wenn nicht nach etwa 150km bei Landsberg am Lech ein sintflutartiger Starkregen mit heftigen Windböen losgebrochen wäre. Auch das konnte mich anfangs nicht von meinem Vorhaben abbringen, aber das Schicksal meinte es anders.
Erst habe ich mich aufgrund der miserablen Sichtverhältnisse verfahren und dann wurde zu allem Überfluss der Regenoverall undicht, so dass ich von einem Augenblick auf den anderen in einer nasskalten Pfütze saß, die sich allmählich in meine Stiefel ergoss.

Das war dann doch ein wenig zu viel auf einmal und so machte ich bei der nächsten Tankstelle Halt und wählte die Nummer einer guten Freundin in Augsburg, die zum Glück gleich ran ging und mir auch sofort Unterschlupf für die Nacht anbot.
Dort angekommen schälte ich mich aus den nasskalten Klamotten und stellte meine Menschlichkeit mit einer heißen Dusche wieder her, um wenig später völlig erschöpft aufs Gästebett zu fallen.

An dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank für die Zufluchtsmöglichkeit!

 

22.6.2015

Tags darauf machte ich mich bei stark bedecktem aber anfänglich regenfreiem Wetter auf die endgültig letzte Etappe über die B2 nach Nürnberg. Zu Beginn wiesen einige Schilder am Straßenrand auf die Romantische Straße hin, die an Augsburg vorbei gen Norden führt. Ab Donauwörth war es dann einfach nur noch die B2.

Ab Weißenburg setzte wieder starker Regen ein und etwa 30km vor dem Ziel wiederholte sich das Malheur mit der Regenkombi, was zwar wieder sehr unangenehm war, mir aber die Freude über die wohlbehaltene Rückkehr in mein Zuhause am frühen Nachmittag doch nicht verhageln konnte.
Den Regenoverall habe ich direkt danach entsorgt.

Fazit

Das war also meine erste richtig große Motorradtour.
3646km in 16 Tagen durch vier Länder (Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich). Abzüglich der drei Tage, an denen ich meine Maschine nicht bewegte, macht das einen Schnitt von etwa 280km am Tag. Abseits der nüchternen Zahlen habe ich zahlreiche Erfahrungen gesammelt, wie es sie nur außerhalb der alltäglichen Komfortzonen gibt.

Aus fahrtechnischer Sicht ist die Provence das absolute Glanzlicht dieser Tour. Enormer Kurvenreichtum gepaart mit exzellentem Straßenbelag und weitgehend trockenem Wetter, sowie eine vielfältige farbenfrohe Landschaft boten allen Sinnen ein Fest der Impressionen. Aber auch sonst lieferte diese Tour – von den schnurgeraden Straßen in Norditalien abgesehen – viele imposante Eindrücke. Besonders hervorzuheben sind natürlich die Alpen, die mir entlang der Strecke viele ihrer zahlreichen Facetten offenbarten und oftmals schier den Atem raubten, weil sich nach jeder Kurve neue majestätische Ausblicke auftun.

Die Erfahrung, alleine zu reisen, an den meisten Tagen mein Zelt aufzuschlagen, wo es mir gerade gefällt und dazwischen Kilometer um Kilometer zurückzulegen und dabei meinen Weg nach eigenem Gutdünken zu wählen, war großartig.

Meine ZR-7 war die gesamte Tour über ein Muster an Zuverlässigkeit und auch mit der nicht geringen Zuladung auf dem Heck bei jedem Wetter wunderbar komfortabel, stabil und ohne Lenkerflattern fahrbar.

Der beste Navi waren für mich tatsächlich die wiederbeschreibbaren Motorradkarten, auf denen ich mit wasserlöslichem Folienmarker meine geplante Route nachzeichnete und den passenden Kartenausschnitt im Klarsichtfach meines Tankrucksacks unterbrachte. Alle elektronischen Spielereien konnten diesem „System“ nicht annähernd das Wasser reichen. Doof wurde es nur bei Regen, weil dann die Karte unter der Regenhaube des Tankrucksacks und damit aus meinem Blickfeld verschwand. Daher spiele ich für die nächste große Tour doch mit dem Gedanken, mir einen dedizierten Motorradnavi zuzulegen.

Denn die kommt bestimmt 🙂

 

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