Mit dem Motorrad nach Südfrankreich – Tag 13

19.6.2015

Zu Beginn dieser Etappe, die mich über die Alpen nach Turin führen sollte, fuhr ich erst mal wieder ein paar Kilometer zurück zu einer Gruppe recht bizarrer Gebilde, die mir am Vortag auf der Hinfahrt neben der Straße aufgefallen waren.

Die „Demoiselles Coiffées“ (zu dt. Erdpyramiden) entstanden infolge der letzten Eiszeit, als Gletscher große Mengen Geröll und Steinblöcke von den Bergen herab transportierten. Nach dem Rückzug der Gletscher erodierten Regenfälle das weiche Material weg, wobei die größeren Steine gewissermaßen wie Regenschirme verhinderten, daß das Geröll direkt unter ihnen weggeschwemmt wurde. Dadurch bildeten sich im Laufe der Zeit diese steinetragenden Erdsäulen.

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wpid-wp-1435067355799.jpgNach diesem kleinen geologischen Exkurs durchquerte ich noch einmal Savines-le-Lac um meine Maschine anschließend über die N94 gen Nordosten zu lenken.

Vor Mont-Dauphin bog ich nach Guillestre ab. Dort hatte ich eine Weile mit zahlreichen Einbahnstraßen, uneindeutiger Beschilderung und dem Umstand zu kämpfen, daß die zentrale Ortsdurchfahrt wegen einer Baustelle blockiert war.

Schließlich fand ich aber doch noch den richtigen Ortsausgang und war wieder unterwegs auf der D902 in die Cottischen Alpen und vorbei an dem in der Gemeinde Château-Ville-Vieille gelegenen Fort Queyras.

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wpid-wp-1435069705991.jpgImmer höher schraubte sich die Straße, die Gegend wurde stetig kärger und es wurde allmählich empfindlich kalt, bis ich schließlich auf 2744m den Col Agnel und damit die Grenze zwischen Frankreich und Italien erreichte.

wpid-pano_20150619_134752.jpgNach einem kurzen Aufenthalt auf dem dritthöchsten Pass der Alpen und dem Aufnehmen diverser Bilder von der grandiosen Szenerie machte ich mich auf den Weg hinab auf der italienischen Seite. wpid-wp-1435072079950.jpgUnten im Tal angekommen, machte ich einen kurzen Halt bei Aury’s Bar am Lago di Castello, gönnte mir ein Kännchen Schwarztee um mich wieder aufzuwärmen und schaute den Kitesurfern zu, die auf dem See ihre Bahnen zogen und ab und zu auch mal abhoben.

Weiter ging es über Sampeyre und Melle auf die SS20, die mich am späten Nachmittag bei milchig-verhangenem Himmel und schwüler Hitze mitten in das Herz von „Torino“ führte. Dort machte ich Halt beim Kawa-Händler, um mal eben einen Mechaniker über meine Bremsbeläge schauen zu lassen, da diese mittlerweile doch schon einen recht dünnen Eindruck erweckten und ich noch eine weitere Alpenüberquerung vor mir hatte.

Der war gerade unterwegs, weswegen ich eine gute Viertelstunde warten durfte und währenddessen nach einem Campingplatz für die Nacht recherchieren konnte.

Als er dann kam, war er sichtlich eher wenig erfreut darüber, daß da jetzt am Freitagabend so ein des Italienischen unmächtiger Typ mit so einer Frage ankommt. Er hat dann trotzdem noch einen ausführlichen Blick auf die Bremsen geworfen und sie für die angepeilte Reststrecke für absolut ausreichend befunden. (Soviel kann ich an dieser Stelle verraten: er hat recht behalten.)

Nach diesem Termin machte ich mich auf, den zuvor auserkorenen Campingplatz „Haway“ am Lago bei Viverone noch vor Sonnenuntergang zu erreichen.  Dieser liegt gute 60km nordöstlich von Turin, hatte exzellente Bewertungen und waren alle auf italienisch – das klang schon mal vielversprechend.

Um bis zum Platz zu finden, waren gegen Ende ein kleines Labyrinth aus Kreisverkehren zu durchqueren und einige zig Meter Schotterpiste durch ein Waldstück zu fahren.  Dort angekommen, bekam ich ein Rasenstück direkt am Ufer des Sees zugewiesen, das für einen Campingwagen mit Vorzelt und eigener Minigolfanlage ausgereicht hätte. Dort baute ich sogleich mein Zelt auf und genoß nach einer Dusche und der Anwendung von reichlich Mückenschutz das Panorama im Sonnenuntergang. Es war warm, nahezu  windstill und am Horizont leuchteten die nahen Alpen im Abendrot.

wpid-wp-1435082524381.jpgAls die Sonne untergegangen war, entdeckten ein paar Kids aus den Nachbarzelten die Freifläche um mein Zelt als Fußballplatz. Am gegenüber liegenden Ufer des Sees erwachte Viverone zum Leben mit einer für die Größe des Ortes imposanten Beleuchtung und dem deutlich wahrnehmbaren Wetteifern mindestens zweier Diskotheken um die Zahl ihrer Besucher. Das alles tat der friedvollen Atmosphäre aber keinerlei Abbruch und um Mitternacht wurde es rasch wieder ruhig.

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