Mit dem Motorrad nach Südfrankreich – Tag 14

20.6.2015

Die Sonne weckte mich früh und als ich aus dem Zelt blickte, war sie gerade dabei, den Morgennebel über dem See aufzulösen.

wpid-wp-1435088263289.jpgAußer Vogelgezwitscher war nichts zu hören und bis der erste Wasserskifahrer die Seeoberfläche zerschnitt, nutzte ich noch mal die Gelegenheit, den Tag mit einer Yogaroutine vor dem Zelt am Seeufer zu begrüßen.

Das heutige Tagesziel war der Gardasee und so machte ich mich in der beginnenden Tageshitze auf den Weg dorthin. Bis Milano lief alles ziemlich glatt. Da ich mir bis dahin aber immer noch keine vernünftige Straßenkarte von Italien zugelegt hatte, bin ich auf der Autobahn stadteinwärts einmal an der falschen Stelle abgebogen und fand mich plötzlich mitten im Milaneser Verkehrsgetümmel wieder, anstatt auf dem Autobahnring um die Stadt herum zu kommen. Bei der Gelegenheit konnte und musste ich schnell viel über italienischen Fahrstil lernen, was bei der mittlerweile glühenden Hitze nicht gerade eben entspannend war.

Dazu gehörte erst einmal, so gut wie alles zu vergessen, was ich in der Fahrschule über Verkehrsregeln gelernt hatte. Weiterhin braucht  es einen siebten Sinn für all die Rollerfahrer die urplötzlich aus dem Hinterhalt an einem vorbei ziehen und dabei scheinbar jeglichen Selbsterhaltungstrieb vermissen lassen. Weiterhin werden rote Ampeln bestenfalls als wohlwollender Hinweis angesehen und +20 ist das Minimum, welches man auf vorgegebene Geschwindigkeitsbeschränkungen addieren sollte. Dann klappt’s auch mit Milano.

Auffallend ist auch, wie vorsichtig sich die Passanten den Zebrastreifen nähern und in welchem Maße sie Dankbarkeit zeigen, wenn man sie passieren lässt.

Als ich dann wieder meinen Weg aus der Stadt raus gefunden hatte, musste ich erst mal was Anständiges essen und machte bei einem Roadhouse Grill am Straßenrand Halt, wo ich mir einen ordentlichen Burger genehmigte, der nach der Vorhölle der Innenstadt genau das Richtige war.

Danach wählte ich dann doch wieder die mautpflichtige Autobahn, weil die Landstraßen in Italiens Norden zum größten Teil ebenso gerade durch die Landschaft verlaufen aber dafür deutlich öfter von Ortschaften unterbrochen werden.

Noch vor Brescia musste ich dann feststellen, daß sich das Wetter doch weniger zu meinen Gunsten entwickelt hatte, als es die Vorhersage noch hatte erhoffen lassen. Deswegen verließ ich kurz die Autobahn bei der ersten Gelegenheit und warf nochmals einen angestrengten Blick auf diverse Apps, die mir in bunte Farben signalisierten, dass eigentlich alles in Ordnung wäre und ich schon in wenigen Kilometern wieder unter klarem Himmel stehen müsste. Also fuhr ich bei nur leichtem Regen weiter auf der Autobahn, um bei einem Decathlon bei Brescia noch mal einen Stopp einzulegen und paar Knabbereien für die weitere Fahrt zu besorgen.

Dort herrschte auch wieder eitel Sonnenschein wie vorhergesagt und auch der noch mal kurz bei meteox aufgerufene Regenradar erweckte den Anschein, als wäre die Hoffnung auf einen trockenen Zeltplatz am Gardasee nicht ganz unberechtigt. Also ließ ich den Motor wieder an und nahm das letzte Stück Weges in Angriff.

Kurz nach Verlassen der Autobahn baute sich vor mir allerdings schon wieder ein imposantes Wolkengebilde auf und wenige Kilometer später machte ich eilig Halt in einer Nothaltebucht am Straßenrand und schlüpfte schleunigst wieder in den Regenoverall.
Keine Sekunde zu früh, wie sich gleich zeigte, denn kurz darauf öffneten sich sich die Schleusen und Hagel und Regen ergossen sich vom Firmament.
Der Hagel ließ zum Glück bald nach und ich kam auf dem weiteren Weg an zahlreichen anderen Kradlern vorbei, die unter Brücken oder in Straßentunneln Schutz gesucht hatten.

Am Gardasee angekommen, durfte ich feststellen, daß der Regen hier keinen Flecken trocken gelassen hatte und so suchte mir wieder ein günstiges Hotel (was bei dem allgemeinen Preisniveau gar nicht mal so leicht war) und wurde mit dem „Edone“ in Roe Volciano fündig.
Dort lief ich bei nachlassendem Regen ein und war echt froh, für die Nacht ein trockenes warmes Zimmer mit Dusche und Bett zu haben. Der Lärmpegel war zwar aufgrund der Lage direkt an der Durchgangsstraße und locker über hundert Gästen unten im Hotelrestaurant beträchtlich, aber dagegen hatte ich ausreichend Ohrstöpsel dabei.

Zum Abendessen gönnte ich mir eine ebenso opulente wie schmackhafte Pizza Salmone und ein Glas Rotwein und fiel danach recht bald ins Bett.

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2 Antworten auf „Mit dem Motorrad nach Südfrankreich – Tag 14“

  1. Nur Geduld, kleiner Grasshüpfer 🙂
    Nach der Reise und anschließendem Fusion Festival hat mich der Alltag wieder und belegt meine Ressourcen recht exhaustiv.
    Der abschließende Artikel ist in Arbeit und wird in den kommenden Tagen hier veröffentlicht.

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