Water – Waste Not, Want Not

Original von Vicki Staudte, USA; Übersetzung von Cornelius Wachinger und Svenja Dambon

Water – Waste Not, Want Not*

*unübersetzbares Wortspiel, das in etwa soviel bedeutet:  Wenn Du etwas nicht verschwendest (waste not), musst Du Dir nachher auch Sorgen machen, wo Du es herbekommen kannst (want not).

Wasser ist ein unermessliches und wertvolles Gut im Himalaya.
Während ich an den zahlreichen Wasserläufen entlangwanderte, stieg ich über schwarze, dünne Wasserschläuche, die von den natürlichen Wasserwegen zu den Wasserstationen der Gemeinden führen um dorthin das Wasser für den Abwasch, für Kleidung, Reis und vieles mehr zu befördern.
Ich blickte über die bewässerten Reisfelder und bewunderte die schneebedeckten Gipfel und wunderte mich im gleichen Augenblick, warum die Träger Tausende von Wasserflaschen über die steinigen und staubigen Wege hinauf in den Himalaya tragen müssen.

In Kathmandu drehe ich den Wasserhahn auf und wundere mich über die wenigen Tropfen Wasser, die herauskommen (und wenn Wasser aus dem Hahn kommt, ist es nicht unbedingt heiß – aber das ist eine andere Geschichte). Wie ich höre, herrscht Wassermangel in Kathmandu.
Wie kann das sein, frage ich mich und denke dabei an all das hinabströmende Wasser in den Bergen? Wenn ich die Statistiken über Wasser betrachte, zeigt sich mir, dass ca. 96 % der Stadtbewohner Zugang zu „aufbereitetem“ Trinkwasser haben(1). Aber ich habe in den Statistken auch gelesen, dass sich die Bevölkerung des Kathmandu-Tals in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat.
Die Statistiken sagen auch, dass 89% der Landbewohner Zugang zu „aufbereitetem“ Trinkwasser haben(2), aber ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie viele Menschen Wasser über weite Strecken zu ihren Häusern schleppen.
Die Infrastruktur in Kathmandu war bereits vor der Verdoppelung der Einwohnerzahl nicht ausreichend. Durch die vielen neuen Bauprojekte wurden die Trinkwasserbrunnen kontaminiert. Im ländlichen Nepal ist die Infrastruktur unter dem Standard oder schlicht nicht existent.
Die Situation ist so kritisch, dass es in der Übergangsverfassung und dem Entwurf der neuen Verfassung ein Mandat für das Recht auf sauberes Wasser für alle Menschen in Nepal gibt. Selbst wenn die neue Verfassung ratifiziert wird, wird es immer noch Jahre dauern bis das Mandat erfüllt ist.

In der Zwischenzeit haben die Nepalesen gelernt, mit der Situation umzugehen. Der tägliche Verbrauch von sicherem Wasser in Kathmandu wird durch die unzureichenden Vorräte aus Hausbrunnen oder von der Kathmandu Upatyaka Khanepani Limited (KUKL – ein privates Wasserversorgungsunternehmen) begrenzt.
Im Gegenzug können die Amerikaner [und auch alle anderen Einwohner der Industriestaaten, Anm.d. Übs.] hiervon lernen. Aber was können wir lernen, werden sich manche fragen?
Wir, die wir Wasser stets zu unserem sofortigen Gebrauch zur Verfügung haben, nehmen Wasser nicht als begrenzte Ressource wahr. Als die größten Verbraucher – und manche mögen sagen, die größten Verschwender –  von Wasser, sollten wir uns fragen welche Veränderungen wir in unserem Alltag machen würden, wenn wir nur eine begrenzte Mengen von Wasser zur Verfügung hätten.
Die Antworten sind einfach – kürzer und/oder weniger häufig duschen, Kleidung vor dem Waschen öfter tragen, weniger Geschirr verbrauchen, auf effizientere Toiletten umsteigen und das kalte Wasser in einem Eimer sammeln, welches wir normalerweise laufen lassen, während wir auf warmes Wasser warten, und dieses für die Toilette zu benutzen oder um den Boden zu putzen. Draußen könnten wir Regenwasser sammeln, um den Garten zu wässern.
Amerikaner haben jederzeit Zugang zu sauberem, sicheren Trinkwasser, auch wenn Einige abgefüllte Wasserflaschen kaufen. Die Einwohner Nepals haben diese Wahl nicht. Trinkwasser müssen sie entweder abgefüllt kaufen oder es selbst filtern. Dies stellt eine weitere Belastung in ihrem ohnehin schmalen Budget dar.

Hoffentlich wird die neue Verfassung ratifiziert und räumt sicherem Trinkwasser eine hohe Priorität ein. Aber realistisch betrachtet wird es mindestens ein Jahrzehnt intensiver Arbeit brauchen, um dies umzusetzen. Dies würde auch dabei helfen die Arbeit der Träger zu erleichtern und die Mengen der Plastikflaschen auf den Müllhalden in Nepal zu reduzieren, aber das steht auf einem anderen, nicht minder wichtigen Blatt.

(1) The World’s Water 2008–2009, p 218.
(2) ebd.

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